WG-Zimmer-Suche oder Freak-Show für Anfänger

Wie schon erwähnt, hat meine Süße ja einen Job in Bremen ab dem 01.11. Dafür benötigt sie noch ein Zimmer, denn irgendwo möchte sie ja auch gerne unterkommen. Also, haben wir uns gestern 6 potentielle WGs angeschaut. Hier eine kleine Aufstellung.

1.) Die erste WG war eine 2er-WG in der Bremer Neustadt. Sehr nett gelegen, aber leider im dritten Stock. Wir wurden von der möglichen Mitbewohnerin und ihrem Freund empfangen und beide machten einen sehr netten Eindruck. Die Wohnung war eine Dachgeschoßwohnung, aber sehr nett. Das Zimmer war okay und das absolute Highlight der Bude war eine schicke Dachterasse. Leider bekam die Süße für die Wohnung eine Absage.

2.) Die zweite WG war auch in der Neustadt. Der Mitbewohner war so um die 30, kam aus Osteuropa und studiert Jura in Bremen. Das Zimmer war angenehm groß, nur war so gar kein Bodenbelag drin. Der Rest der Wohnung war funktional, um nicht zu sagen, trist eingerichtet. Man hatte das Gefühl, dass dem Mitbewohner auch nicht viel daran lag, es sich gemütlich einzurichten. Die Besichtigung war dann auch relativ schnell vorbei und wirklich überzeugen konnte die Wohnung nicht.

3.) Jetzt mussten wie in die Neue Vahr fahren. Manchem ist vielleicht das Buch „Neue Vahr Süd“ von Sven Regener ein Begriff. Die Wohnung lag in einer relativ tristen Gegend. Viele Mietshäuser, einfach lieblos nebeneinander gebaut. Dicht an dem Haus führte eine der großen Straßen vorbei, deshalb war der Lärmpegel relativ hoch. Aber vielleicht konnte die Bude ja punkten. Empfangen wurden wir von dem Mitbewohner in T-Shirt, Shorts und Adiletten. Respekt dafür. Auf den ersten Blick schien der junge Mann deutlich an einer Duschallergie zu leiden. Vor allem die Haare hätten einen eigenen Lexikoneintrag unter „ungepflegt“ verdient. In der Wohnung wurden wir von einer Wolke aus Zigarettenrauch, Schweißgeruch und warmer Heizungsluft empfangen. Was mir gleich auffiel, war die Tatsache, dass ich mit den Schuhen immer am Boden festklebte und ich beim Gehen unschöne Geräusche machte.

Dann wurden wir rumgeführt. Zuerst wurde uns die Küche präsentiert mit dem Hinweis, dass zwei- bis dreimal die Woche per Hand abgewaschen wird. Mehr geht nicht, man muss schließlich sparen. Dann ein kurzer Blick in die Abstellkammer, die voll mit Wäsche und Leergut war. Auch schön. Dann ins Wohnzimmer. Abgewetzte Ledercouch und eine WEIßE Schrankwand mit goldenen Türgriffen. Mir wurde ganz anders. Auf dem Couchtisch noch ein überquellender Aschenbecher und vor dem Tisch ein Häufchen Asche. Ganz offensichtlich war nicht nur die Körperhygiene ein Problem. Dann in das Zimmer für die Süße. Erster Eindruck: das sind ganz bestimmt nicht die versprochenen 20qm². Auf Nachfrage zuckte der Mitbewohner mit den Schultern und meinte nur, er habe halt mal geschätzt. Wohl knapp daneben. Danach noch ein paar Floskeln ausgetauscht und wieder raus aus dem Loch mit dem dringenden Wunsch, sich mal die Hände zu waschen.

4.) Danach ging es dann nach Hemelingen. Ein Zimmer in einer 4er-WG. Die Wohnung liegt über einem Autohaus und an einer relativ viel befahrenen Straße inklusive Straßenbahnlinie. Hinzu kommt, dass sich in der Nähe des Hauses zwei Bahntrassen treffen, die auch relativ viel befahren sind. Die WG selbst ist geräumig mit einem Riesenflur und einem großen Gemeinschaftszimmer. Zwei Bäder sind sogar vorhanden und die Küche bietet auch ausreichend Platz, um sich mit mehreren hinzusetzen und mal zu quatschen. Das Zimmer selbst war von der Größe her okay. Was gar nicht ging, war die pissgelb/hellblau gestrichene Wand und der orangene Teppich. Hier muss wohl jemand farbenblind gewesen sein. Das Fenster ließ sich nicht ohne weiteres schließen und leider können wir nicht sagen, wie laut es angesichts der ganzen Verkehrswege drumherum da jetzt drin ist. Aber die Mitbewohner waren soweit alle nett. Ach ja, uns wurde auch eine „Riesendachterasse“ angekündigt. Man konnte über die Fenster im Wohnzimmer (in 1,2m Höhe) aufs Dach des Autohauses gelangen, aber eine richtige Dachterrasse war das nicht.

5.) Wieder zurück in die Neustadt. Das Zimmer war in einer 3er-WG, die im vierten Stock lag. Die Wohnung war ganz nett. Die Küche war neu, aber leider winzig, ebenso wie das Bad. Das freie Zimmer war mit 14m² ausgeschrieben, aber vielleicht 11 oder 12m² groß (kann man Leute eigentlich für falsche Angaben verklagen?). Da wird es eng mit dem Platz. Die beiden anderen Mitbewohner waren sehr unterschiedlich. Während der Typ den Mund kaum aufmachte, laberte die Trulla ohne Pause. Naja, nach 15 Minuten auch hier abgeseilt.

6.) Die letzte WG lag wieder in der Neustadt. Angekündigt als nette 4er-WG. Als wir klingelten und nach dem Gang durchs Treppenhaus vor der Wohnung ankamen, guckte uns jemand fragend an. „Wir sind wegen dem Zimmer hier und haben um neun Uhr einen Termin““Ich weiß von nix“. Alles klar, geht ja gut los. Aber der Rest der WG würde vielleicht Rat wissen, dazu mussten wir in den Gemeinschaftsraum. Gar nicht so einfach, denn der Flur war eine einzige Müllhalde und wir mussten seitwärts uns an dem ganzen Gerümpel vorbeischieben. Im Wohnzimmer saßen zwei Mädels und ein Typ, der am daddeln war. Nachdem wir unser Anliegen vorgetragen hatten, meinte er dann „AAAlda, sorry, habe ich voll vercheckt“. Aha. Der junge Mann, der uns empfangen hatte, machte für uns eher widerwillig den Führer. Das Zimmer auch eine Müllhalde. Küche und Bad eher Klärgruben. Als ich im Zimmer neben dem Bad eine Katze entdeckte, die in Reichweite war, konnte ich dem Drang, sie zu streicheln nicht wiederstehen. Auf einmal sprang eine Mitbewohnerin auf, deren Zimmer ich mit einem Fuß betreten hatte und startete das Programm „Rauswurf“. Meine Süße wurde noch kurz ausgefragt:

Sie: „Wie alt biste denn?“

Süße: „25“

Sie: „Fängst Du jetzt an zu studieren oder was machst Du so?“

Süße: „Nee, ich habe einen Job ab dem 01.11. hier in Bremen“

Sie: „Wo denn und was machst Du da?“

Süße: „Ich bin Projektmanagerin im Onlinemarketing“

Sie: mustert kritisch meine Süße von oben nach unten und lässt sich zu einem „Aha“ herab.

Gut, danach wurden wir freundlich aber direkt zur Tür geschoben. „Jaja, wir melden uns. Hmm, alles klar. Bla, Bla.“ Nicht schlecht, wenn man überlegt, dass sie ein WG-Zimmer loswerden wollen. So geht man vor allem mit Leuten um, die 130 km gefahren sind, um sich die Scheißbude anzugucken. Das war echt eine Frechheit. Scheiß Studenten. Nich wahr?

Qualitätsfernsehen

Am Samstag abend nach einer ausgiebigen Shopping-Tour auf RTL „Die Burgermeister“ gesehen. Mal abgesehen vom spitzenmäßigen Wortspiel im Titel war die Sendung echt krass. Es handelte sich um eine einstündige Werbe- und PR-Sendung für die Fast-Food-Kette mit dem großen M. Wie die da auf die Qualität achten und wie alles durchorganisiert ist. Alles super, oder? Aber da gibt es ja diese nagende Frage, wie gesund der Fraß jetzt wirklich ist. Aber auch das haben die Bulettenbrater voll im Griff, denn mittlerweile kann man auf jeder Burger-Packung die Nährwerte sehen und online kann man anklicken, was man alles gefuttert hat und bekommt präsentiert wieviel Prozent seiner täglichen Ration an Kalorien, Kohlenhydraten und Co. man schon verschlungen hat.

Und das ist ja so ein Risiko für McD, denn schließlich könnte es auch Leute abschrecken, wenn sie sehen, dass sie nach 2 Packungen 20er Chicken Nuggets und dem dritten BigMac ihren Bedarf an Kalorien übererfüllt haben. Also, befragt man den durchschnittlichen Kunden. Der stellt sich online sein Menü zusammen und fast alle sind überrascht, dass das Essen nicht so fettig ist, wie befürchtet. Welch Zufall. Aber gegen die letzten Zweifel hilft noch der Ernährungsexperte Udo Pollmer, der verlautbaren lässt, dass alles ganz toll ist.

Die Sendung war mal wieder ein Lehrstück für investigativen Journalismus und hartnäckige Fragen. Was das wohl ein Unternehmen wie McD kostet, so eine Sendung ins Programm zu schleusen? Oder bietet das RTL von sich aus an? Naja, nicht mehr lange und dann kommen Sendungen von kolumbianischen Drogenbaronen, dass Koks und Heroin auch eigentlich harmlos sind, vorrausgesetzt, man übertreibt es nicht gleich. Oder die Waffenlobby preist ihre neuesten „Intelligenten Waffensysteme“ an mit nur „minimalen“ Kollateralschäden.

Um beim Thema Essen zu bleiben: Gestern waren Schatzi und ich in LG im Restaurant „Zum Roten Tor“ essen. Dürfte mit das Beste gewesen sein, was ich je an meinen Gaumen gelassen habe. Einfach nur der Hammer.

Wat is denn hier los?

Also, kurze Vorgeschichte: Schatzi hat einen Job in Bremen bekommen. Das ist bombig und ging auch verhältnismäßig schnell. Im Moment ist sie auf der Suche nach einer Bleibe in Bremen.

Sie findet eine Anzeige einer jungen Dame, die ein 22 m²-Zimmer zu vermieten hat für 250 Euro warm. Das ist ein fairer Preis, also gleich mal angerufen und einen Termin für Samstag abgemacht. Schatzi sucht weiter und findet irgendwann eine Anzeige mit gleichem Namen und gleicher Handynummer. Doch das Zimmer scheint sich in der Zwischenzeit wie von Zauberhand verändert zu haben. Statt 22m² gibt es jetzt ein Zimmer mit 13,5m² und einen Balkon mit 8,5m². Das ist schon eine etwas andere Geschichte, da ein Balkon in meinen Augen nicht wirklich zur Wohnfläche gehört. Vor allem nicht im Winter. Es sei denn, mann übt für eine Polar-Expedition. Schatzi ruft mal an, um zu klären, ob dann in der nächsten Anzeige das Zimmer vielleicht noch mehr schrumpft. Die werte Vermieterin verteidigt sich, dass es sich hier um Missverständnis handeln muss. Am Ende bleibt es bei Zimmer mit Balkon. Wen will die Alte eigentlich verarschen?

P.S.: Jemand Bock bei mir einzuziehen. Gibt auch 2 Zimmer und ich bescheiße auch nicht bei den m²-Zahlen. 🙂