Eine gute Tat

Letzten mittwoch nach der Arbeit bin ich mit dem Zug nach Hause. In Lüneburg ausnahmsweise mal ohne größere Zwischenfälle angekommen und schon mal zum ZOB, um auf den Bus zu warten. Während ich das so stand und wartete, kam gegenüber ein Reisebus an und spuckte eine Gruppe eher älterer Mitmenschen aus, die ganz offensichtlich von einer der berühmt-berüchtigten Kaffeefahrten zurückkamen. Dann kam mein Bus und ich stellte mich an, um einzusteigen. Da schlich eine kleine, alte Frau um den Bus herum. Sie zog eine Mini-Sackkarre hinter sich her, die vollbeladen war und wahrscheinlich eine Extrabeigabe ab 500€ Gesamtausgaben war. Die alte Dame sah mich an und fragte mich, ob ich hier die Karre in den Bus tragen könnte. Alles klar, machen wir. Eine interessante Ansammlung typischer Tünnef-Artikel, die man auf „Tagesausflügen“ erwartet fand sich hier: eine Matratzenauflage, eine Porzellan-„Sammlerpuppe“, ein Kochtopfset und in den drei Taschen, die sie in Händen hielt waren noch Schnäpse, Pralinen und wohl auch Zigarren, wenn ich das richtig verstanden habe.

Irgendwann kam dann die Endstation der Buslinie, wo auch ich aussteigen musste. Die Oma machte keine Anstalten aufzustehen und der Busfahrer fragte, wo sie denn hinwill. „Zum Aldi“ lautete die Antwort, doch da fuhr der Bus nicht mehr vorbei auf seiner letzten Fahrt. Omi war verdutzt und ein bißchen ratlos. Der Busfahrer ließ sich auch durch Bestechungsversuche nicht erweichen, also durfte Omi hier aussteigen. Ich ihr die Sackkarre wieder rausgetragen und dann standen wir da. Sie war ziemlich verwirrt und meinte immer „Ich verstehe nicht, warum er da nicht lang fährt!“ und ganz offensichtlich war ich auch nicht klar, wo wir genau waren. Okay, dann erstmal Omi ausgefragt, wo es denn hingehen soll. Okay, der Aldi ist ein Stück weg. „Soll ich sie hinbringen?“. Hach, das wäre toll. Na dann. Okay, Omi drückt mir noch die Tasche mit dem Alkohol in die Hand und auf gehts. Die Sackkarre war nicht wirklich schwer, aber ziemlich klein, so dass ich so leicht gebückt gehen musste, was irgendwann ins Kreuz ging. Nach einer Viertelstunde erreichten wir unter ständigem „Sie schickt der liebe Gott! Ich weiß gar nicht, was ich sonst machen würde“ oder „Ich verstehe gar nicht wo wir sind“ und ab und an auch „Der Busfahrer hat mir gar nicht gesagt, dass er nicht zum Aldi fährt“ unser Ziel. Ich habe mich gefragt, wieviel sie wohl für den ganzen Schmonz löhnen musste, aber habe mich nicht getraut, die Frage zu stellen. Wahrscheinlich hätte ich sie auf der Stelle entmündigen lassen müssen.

Ich ihr dann noch die Sachen in den ersten Stock geschleppt. Sie wollte mir noch als Dank eine Buddel Wein in die Hand drücken, aber ich habe dankend abgelehnt,  habe die Beine in die Hand genommen und davon gerannt.

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3 Gedanken zu “Eine gute Tat

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