Massenhysterie

Ach ja, die Fußball-EM steht schon vor der Tür und macht sich durch lautes Klopfen bemerkbar. Da England ja nicht dabei ist und die Jungs sich lieber im Urlaub einen Sonnenbrand abholen, kann ich dem Ganzen entspannt gegenüberstehen. Freue mich einfach auf Spiele wie Polen gg. Österreich oder Türkei gg. Schweiz. Ganz Fußball-Deutschland fiebert dem Event da schon mehr entgegen und nach dem dritten Platz bei der WM 2006 sind die Erwartungen hoch. Gestern dann das erste Testspiel gegen Weißrussland. Und dann nur ein 2:2. Welch Blamage. Die schreibende Zunft ist empört ob der eklatanten Abwehrfehler und ob des niederschmetternden Resultates gegen die Fußball-Zwerge aus Belarus.

Ich finde es immer wieder lustig und schon fast erstaunlich, wie jedes Hoch und jedes Tief medial in seiner ganzen Extreme ausgelotet wird. Gewinnt Deutschland 2:1 im neuen Wembley-Stadion hat uns die FIFA gefälligst schonmal pro forma den WM-Pokal zu schicken, man ist ja schließlich unschlagbar. Spielt Deutschland nur 2:2 gegen Weißrussland, wird schon fast darüber nachgedacht, die Mannschaft wieder abzumelden. Sehr schön. Klar, in England ist es keinen Deut besser, wenn nicht sogar schlimmer, zumal ganz England schon seit Jahren in der Überzeugung lebt, die Nationalmannschaft sei bei jedem Turnier (wenn sie denn teilnehmen) glasklarer Favorit. Aber das bekomme ich nicht so mit, da ich die englischen Medien nur bedingt verfolgen kann.

Ich kann mich noch an den Vorlauf zur WM 2006 erinnern. Am 01.04.06 spielt Deutschland in Italien und die Italiener schlagen die DFB-Elf mit 4:1. Und da haben die Jungs noch Glück gehabt, dass die Italiener dann in der zweiten Halbzeit auch keine Lust hatten. Danach war die Hysterie groß. Eine Blamage sondergleichen. Und Klinsmann wurde in Frage gestellt, ebenso wie seine suspekten Trainingsmethoden. Nach dem dritten Platz bei der WM im eigenen Land ist Klinsmann der Man! Und alles ist vergeben und vergessen.

Deutschland wird rechtzeitig zur EM in Form sein und dort bestimmt zu den Favoriten zu zählen sein. Also, chillen wir doch einfach mal ein bißchen und freuen uns auf drei Wochen voller Fußball.

Eurovision Song Contest

So, ich schreibe dann hier mal parallel zu den Geschehnissen beim Eurovision Song Contest in Belgrad. Im Moment jodelt die letztjährige Gewinnerin, die mal echt aussieht wie ein Typ. Für Deutschland treten die No Angels an, denen ich mal prophezeie, in die Low-5 zu gelangen, also den fünf schlechtesten Beiträgen. Man darf gespannt sein. Vor allem die Russen haben schwere Geschütze aufgefahren. Deren Song wurde von Timbaland produziert, der Geiger spielt auf einer 300 Jahre alten Stradivari-Geige (wohl kein Geld für ein aktuelles Modell) und im Background-Chor stehen auch Opern-Diven. Die Alte aus dem letzten Jahr ist endlich fertig und die beiden Moderatoren kommen. Die Klamotten in dezentem Grau, vielleicht aber haben die nur noch nicht das neueste Ariel-Waschmittel mit Anti-Grau-Effekt.

25 Titel werden wir über uns ergehen lassen und die No Angels kommen als Viertes. Es geht los:

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A Million Bright Ambassadors of Morning

Ab und zu höre ich nebenbei ein bißchen Last.fm, die selbst ernannte social music revolution. Und manchmal stösst man da echt auf nette Sachen, die man vorher noch nicht kannte. So bin ich neulich auf die Band Pure Reason Revolution aufmerksam geworden. Die Band kommt aus England und wird allgemein dem sogenannten Prog-Rock zugeschrieben. Keine Ahnung, was das jetzt genau ist und eigenlich ist es ja total Banane. Am Ende gibt es nur gute und schlechte Musik und die hier ist gut. Und zur Feier des Tages gibt es noch einen Link zu Youtube. Dort gibt es das Video zu „A Million Bright Ambassadors of Morning„, einem zwölf Minuten Klopper der Band, der aber im Moment ständig läuft. Viel Spaß damit.

Trockengebiet

Wir haben uns vor ein paar Tagen das Hörbuch zum Bestseller „Feuchtgebiete“ ausgeliehen. Wenn ganz Deutschland auf einmal über Genitalien und Fäkalien diskutiert, will man ja nicht dumm daneben stehen und wissen, was denn jetzt auf einmal so schrecklich spannend an dem Schmöker ist. Wir haben knapp die Hälfte bisher gehört und ich muss sagen, dass ich jetzt auch nicht schlauer bin als vorher. Die Handlung ist allenfalls als marginal zu bezeichnen. Bleibt also eine Aneinanderreihung diverser Begriffe, die ich der Einfachheit halber als „Pillemann, Fotze, Arsch und Co.“ bezeichne.

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Killer Queens on stage

Letzten Samstag schon waren meine Liebste und ich im Waldautheater zu Bremen, um uns Killer Queens anzuschauen. Eine Show-Hommage an Queen. Wir kamen am Waldautheater an und waren totally underdressed. Teilweise waren die Leute im Anzug bzw. Kleid unterwegs. Fand ich ein bißchen albern, denn es handelt sich hier um Rockmusik und nicht um eine verdammte Oper von Mozart. Aber gut, manche Menschen können wohl nicht anders, wenn sie das Wort Theater hören. Man muss sich einfach für die Hochkultur in Schale schmeißen, egal, was da jetzt tatsächlich gezeigt wird.

Die Show selbst war echt gut und es war sogar eine richtige Berühmtheit aus dem Fernsehen dabei. Christina Maria Brenner war Kandidatin bei der kürzlich ausgestrahlten ZDF-Sendung „Musical-Showstar 2008„, wo sie zumindest bis in die Finalsendung gewählt wurde. Das Killer Queens-Show wurde daneben noch von einem männlichen Part und zwei weiteren Damen gesungen. Zum Glück wurden die Songs nicht eingedeutscht, was ja in so manchem Musical gerne passiert und auf mich abschreckend wirkt. Ich will die Songs von Abba mal echt nicht auf Deutsch hören.

Was an der Show nicht so ganz gefiel, war der Versuch, dem Ganzen eine Art Story zu verpassen. Leider war die Story ein bißchen aufgesetzt: Der Typ hat was mit der einen Frau, dann kommt die von Brenner gespielte Killer Queen und verdreht dem armen Macker den Kopf und zu allem Überfluß kommt noch eine dritte Frau hinzu. Die Story wurde vor der Aufführung in drei Minuten erzählt und hätte man uns die Einweisung nicht gegeben, dann wäre man im Leben nicht darauf gekommen, dass da auch eine Story erzählt werden soll. Es war halt ein netter Abend mit Queen-Songs. Darüber hinaus war ich entsetzt über die deutsche Volkskrankheit schlechthin: das Klatschaffentum. Hätte man das Publikum gefilmt und den Ton ausgedreht, wäre man wohl auf den Gedanken gekommen, den Musikantenstadl zu schauen. Bei fast jedem Song wurde „rhythmisch“ mitgeklatscht. Bei „Who wants to live forever“ konnte sich das Klatschaffentum nicht so ganz durchsetzen. Bei „We will rock you“ gehört es ja dazu, aber ansonsten……………

Kann die Sache aber nur jedem empfehlen und man muss noch nichtmal großer Queen-Fan sein, um es gut finden zu können.