Ciao Hotte

Also, am heutigen Tag hat Bundespräsident Horst Köhler seinen Hut genommen und spontan abgedankt. Nach seinen Äußerungen zum Thema Militär und wirtschaftliche Interessen fühlte er sich ungerecht angegriffen. Köhler hat die Aussagen aber nun einmal getätigt und auch wenn sich viele sicher sind, dass er das alles ja nicht so gemeint hat, dann waren die Dementis aus dem Bundespräsidialamt eher verhalten. Die Frage ist, ob ihn wirklich die Kritik so angewidert hat oder ob er nicht eher davon enttäuscht war, dass ihm Merkel und Westerwelle als Vorstandsvorsitzende unserer Prachtregierung nicht zur Seite standen. Egal, jetzt wird am besten Roland Koch Bundespräsident. *würg*

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Ach, Horst

Schon seit Jahren bringen Gegner von so genannten Friedensmissionen (wie bspw. in Afghanistan) das Argument, dass es hier weniger um die Befriedung und Demokratisierung von bestimmten Regionen geht, sondern eher darum, den Zugang zu Rohstoffen und Märkten zu sichern. Die Befürworter solcher Auslandsmissionen der Bundeswehr/NATO taten sowas immer mehr oder weniger als schwachsinniges Gefasel linker Pazifisten ab, die einfach den Tatsachen nicht ins Auge blicken wollten.

Nun meldet sich Horst Köhler zu Wort, seines Zeichens Bundespräsident der BRD und offizielles Staatsoberhaupt unseres Landes. Viel hat man von ihm in den Jahren seiner Amtszeit nicht gehört. Natürlich hat der Bundespräsident nur wenig Macht und Einfluss, aber ein Roman Herzog hat wenigstens mal seine berühmte „Ruck“-Rede gehalten. Köhler blieb gerade in der Finanzkrise erstaunlich ruhig, obwohl er mal Chef des IWF war und somit sicherlich ein bißchen Ahnung von der Materie hat.

Nun hat Horst Köhler dem Deutschlandradio ein Interview gegeben, wobei vor allem folgendes Zitat doch einigermaßen aufsehenerregend ist:

„Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.“ (Quelle)

Ich finde es erstaunlich, dass diese Aussagen in den angeblich etablierten Medien nur wenig bis gar keine Beachtung finden. Immerhin stellt sich hier eine politisch hochrangige Persönlichkeit hin und eröffnet das Szenario von militärischen Einsätzen, um die heimische Wirtschaft zu stützen/stärken. Mal ganz abgesehen davon, dass es sich hier um einen verfassungsrechtlich mindestens fragwürdigen wenn nicht gar verfassungswidrigen Vorgang  handeln würde. Hat Horst nur ausgesprochen, was bei der politischen Führung unseres Landes Konsens ist? Das er sich verplappert und es sich um unbedachte Äußerungen handelt, würde ich einfach mal bezweifeln. Bald also dann deutsche Soldaten für billiges Öl? Oder schaffen wir uns neue Kolonien an, um den Zugang zu Rohstoffen zu sichern? Diese Aussagen scheinen also die eingangs erwähnten Argumentationen der Kritiker bspw. des Afghanistan-Einsatzes zu stützen und sind aus meiner Sicht nicht weniger als skandalös.

Tour de Force

Uff, langsam haben wir uns wieder von diesem Wochenende erholt, auch wenn die Frau noch immer alle halbe Stunde die Äuglein schließt, um ein wenig zu schlummern. Donnerstag ging es nach der Arbeit los in Richtung Magdeburg. Für die Fahrt hatten wir einen VIP-Mitfahrer der besonderen Art: ein Meerschweinchen. Tja, eine Mutter aus der Nähe von Hannover hatte ein Meerschweinchen für die Kinder gekauft. Nur leider in Verden und so haben wir den Transport übernommen. Halt mal was anderes. Wir hatten auch noch einen menschlichen Mitfahrer, der uns mit seinen zwei IPhones beeindruckte und seinen Einblicken in die Kunst, mit vier Frauen gleichzeitig über diverse Kanäle zu flirten. Ganz wichtig dabei: Alle mit unverfänglichen Kosenamen ansprechen, dann kann man auch keine Vornamen verwechseln. Habe ich mir doch glatt notiert. 🙂

In Magdeburg dann noch einen American Diner aufgesucht und danach in die DJH eingecheckt. Dabei habe ich gemerkt, dass ich meine schicken schwarzen Schuhe in Bremen vergessen hatte. Sehr schön, dann also mit schwarzen Sneakern und Jeans auf die Hochzeit. Nützt ja nischt. Am Freitag früh hoch, denn um zehn war Antreten beim Standesamt angesagt. Der Trausaal war sehr schön und das Ambiente dem feierlichen Ereignis angemessen. Nach der Trauung ging es dann unter lautem Gehupe quer durch Magdeburg nach Alt Prester zur Kirche, einem Restaurant direkt an der Elbe, wo noch eine Zeremonie im Freien abgehalten werden sollte. Bei strahlendem Sonnenschein saßen wir draußen und wohnten diesem schönen Ereignis bei. Die Zeremonie war super gemacht und war sehr bewegend. Manch eine hat auch geweint. 😉

Nach der Zeremonie gab es ein Mittagsbuffet mit Häppchen und Tomatensuppe. Die Häppchen waren nicht so ganz meins, aber die Suppe war der Brüller. Dreimal habe ich nachgelegt, so gut war die. Mjam. So um drei war wieder Locationwechsel angesagt und es ging ins Elbelandhaus. Wieder direkt an der Elbe. Nach Kaffee und Kuchen ging es dann erstmal auf die Terrasse, weiter Sonne tanken. Die meisten hatten zwar einen Sonnenbrand, aber wenn schon, dann richtig. Abends dann noch ein leckeres Buffet mit allerlei Köstlichkeiten, Spiele und um Mitternacht rundet die Hochzeitstorte das gelungene Fest ab.

Um eins waren wir wieder im Bett und um sieben Uhr morgens klingelte der Wecker. Vor uns lagen noch drei Möbelhäuser. Das erste kurz und schmerzlos in Dörverden, danach ins Küchenstudio nach Langwedel. Inklusive einer Einführung in die vier Grundaufgaben einer Dunstabzugshaube sowie einer philosophischen Auseinandersetzung mit dem Thema „Was ist ein Markengerät?“.  Den Abschluss bildete dann ein Besuch bei Dodenhof, in der Selbstdarstellung ganz unbescheiden „Die Einkaufsstadt, die alles hat“. Hier dann wieder durch die Küchen- und Schlafzimmerabteilung gewirbelt, inkl. ausführlichem Matratzentest. Sollte man aber nicht machen, wenn man total müde ist, denn so wird jede Matratze zur Wohltat. Abends wieder nach Hause und nach einer Runde Grillen noch zugucken, wie die Bayern den Po versohlt bekommen. Fein.

Eilmeldung!!

Es ist wieder soweit. In nicht mal vier Wochen beginnt die Fußball-WM in Südafrika. Darauf freue ich mich, denn zum einen hofft man auf tollen Fußball und zum anderen kann man so auch mal völlig abseitige Begegnungen sehen, wie bspw. Honduras gg. Chile. Sonst eigentlich völlig uninteressant, aber im Kontext eines großen Turniers schaue ich mir alle Spiele an, die ich zu sehen bekomme.

Worauf ich aber getrost verzichten kann, ist dieses mediale Brimborium. Heute schafft es das gerissene Innenband von Michael Ballacks Knöchel die ganze Nation in Atem zu halten. Was ist schon die Eurokrise oder der De-Facto-Bürgerkrieg in Thailand, wenn doch Michi Aua hat. Wobei heute kann ich das gerade noch nachvollziehen, denn schließlich hat Deutschlands einziger Weltklasse-Fußballer der letzten Jahre die Segel streichen müssen. Richtig schlimm wird es dann erst wieder zur WM, wenn jeder Fernsehsender krampfhaft versucht, sein Programm mit WM-bezogenen Nachrichten interessant zu gestalten.

Am Ende ist man über alles im Bilde. Man weiß, was die Nationalspieler essen, was sie trinken, was sie abends auf dem Zimmer so machen. Und Miro Kloses Durchfall wird dann als Eilmeldung durchs Programm getrieben inklusive erster Analyseergebnisse seines Stuhls. Da ist es doch einfacher, Fan der englischen Mannschaft zu sein. Das Mediengezeter auf der Insel, was sicherlich dem deutschen in Nichts nachsteht, wenn es nicht sogar noch extremer ist, bekommt man hier kaum mit. Ab und an kann man mal online gucken, ob was Interessantes passiert ist und das wars. Oh, da kommt eine neue Sondermeldung: Schweinsteiger hat Schluckauf, vielleicht kann er die nächste halbe Stunde nix trinken. Hoffentlich beeinträchtigt das nicht die Chancen der deutschen Elf.

Metro 2033: Buch vs. Spiel

In den letzten Tagen konnte ich mich glücklich schätzen, die gleiche Geschichte in zwei unterschiedlichen Medien erleben zu dürfen. Schon seit knapp 2 Monaten habe ich mich durch das Buch „Metro 2033“ gearbeitet. Vor einem Monat kam auch das gleichnamige Spiel für die Xbox 360 noch hinzu. Das letzte Mal hatte ich ein ähnliches Szenario bei der Herr der Ringe-Trilogie, wo ich parallel zum ersten Film die Bücher las. Ja, totally Crossmedia und so. 😀

Wie schon aus dem Titel zu ersehen, spielt Metro 2033 in eben jenem Jahr 2033. Die Menschheit hat sich mehr als 20 Jahre vorher mit Atomwaffen die Köpfe eingeschlagen und die wenigen Überlebenden der russischen Metropole Moskau haben sich in die Tunnel und Bahnhöfe der Metro geflüchtet, wo sie ihr Dasein fristen. Die Oberfläche der Stadt ist aufgrund der hohen radioaktiven Strahlung unbewohnbar und nur wenige trauen sich überhaupt in die zerstörte Stadt, um nach verwertbaren Gegenständen zu suchen. Die atomare Apokalypse hat dazu geführt, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten mutiert sind und diese neuen Lebensformen sind nicht unbedingt freundlich. Interessant an dem Setting ist die Tatsache, dass sich einzelne Stationen der Metro zu Allianzen politischer und/oder religiöser Natur zusammengeschlossen haben. Es gibt Kommunisten, das Vierte Reich, die Hanse oder auch die so genannte Polis. Alles Fraktionen mit eigenen Interessen und Terrritorien. In der Metro lebt auch Artjom, ein junger Mann, dessen Station von den so genannten „Schwarzen“ heimgesucht wird, ein Feind, der die ganze Metro bedroht. Artjom wird auf eine alles entscheidende Mission geschickt und von seiner Reise handeln Buch und Spiel.

Das Spiel fällt leider im direkten Vergleich der beiden Medien deutlich ab. Es wird irgendwie nicht so deutlich, warum man jetzt diese Reise durch die Metro unternehmen soll und viele Zusammenhänge bleiben unklar. Zudem fand ich die Entscheidung, aus der Geschichte einen Ego-Shooter zu machen nicht so gut. Gerade das Setting mit den vielen Fraktionen, denen man während der Reise durch die Metro begegnet, wäre aus meiner Sicht viel besser für ein Rollenspiel geeignet. Stattdessen läuft man durch dunkle Tunnel und ballert ab und an auf Horden an Mutanten. Das ist dann nach 2-3 Stunden Spielzeit auch höchst langweilig. Angeblich soll „Metro 2033“ in Richtung Survival Horror (à la Resident Evil) gehen, aber gruseln tut man sich gar nicht. Einzig die immer wieder knapp bemessene Munition sorgt für ein bißchen schwitzige Hände. Mich hat zudem belustigt, dass man ständig im Spiel Hinweise auf das Buch findet. Mal liegen Ausgaben von „Metro 2033“ in den Unterkünften der Menschen oder es finden sich Poster, die dezent auf das Buch hinweisen.

Ich habe das Spiel nicht durchgespielt, da es mich nicht wirklich in seinen Bann ziehen konnte. Das Buch habe hingegen beendet und fand es sehr gut. Der Autor wird manchmal ein bißchen ausufernd in seinen Beschreibungen der Umgebung, aber das ist nicht wirklich schlimm. Das Setting wird hier wirklich schön ausgereizt und man wird auch viel mehr in die Handlung hineingezogen. Jetzt ist nur die Frage, ob ich mir auch das Buch „Metro 2034“ gebe, denn bei Amazon kommt die Fortsetzung nicht so gut weg. Manchmal macht das gute alte Lesen doch mehr Spaß.