Auf Bali geht um Vier die Sonne unter

Ich freue mich, einmal ein Buch zu empfehlen, welches von jemandem geschrieben wurde, den ich sogar persönlich kenne. Mein werter Arbeitskollege Maik hat den Roman „Auf Bali geht um Vier die Sonne unter“ vor kurzem veröffentlicht und ich habe mir die Kindle-Version mal geholt.

Sven Bukholz ist BWL-Student ist mittlerweile schon im 16. Semester, doch eigentlich möchte er viel lieber Comedian werden. Wenn die ganze Nation einem Mario Barth zu Füßen liegt, kann das ja nicht so schwer sein. Leider kommt dem guten Sven sein wirklich großes Talent, die Prokrastination, immer wieder in die Quere und so kommt weder das Studium noch die Karriere als Spaßmacher wirklich voran. Auf dem Weg zu ewigem Ruhm und Anerkennung gibt es so viele Dinge, die einem immer wieder dazwischen kommen: Emails abfragen, ausschlafen, fernsehen, die Liste lässt sich beliebig erweitern.

Und dann sind da noch die skurrilen Geschichten um bspw. ein Hemd namens Tom, einen zugekoksten Hund und die gefräßige Schildkröte, die auch ganz zufällig Sven heißt. Auch die Frauen lenken unseren bemitleidenswerten Protagonisten immer wieder ab. Doch irgendwann hat es auch der inoffizielle Meister der Prokrastination geschafft und bekommt seinen ersten Auftritt als Comedian. Wie das Ganze ausgeht und ob Sven zum neuen Superstar am Comedy-Himmel avanciert, müsst Ihr schon selber herausfinden.

Neben dem Humor ist für mich die Stärke des Buchs, dass man sich so gut in Sven hineinversetzen kann. Zumindest ich kann es nachvollziehen, wie man immer wieder Tag für Tag im Studium mit den wirklich wichtigen Dingen zubringt, während man eigentlich doch im Hörsaal sitzen sollte, für Klausuren lernen oder an Hausarbeiten schreiben.  Ein wirklich kurzweiliges Lesevergnügen, dass ich uneingeschränkt empfehlen kann. Wer will, kann sich schonmal eine kleine Leseprobe gönnen.

Auf Bali geht um Vier die Sonne unter

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Leben mit dem Kindle

Schon seit Ende Mai nenne ich einen Kindle aus dem Hause Amazon mein Eigen. Da wird es aber auch mal Zeit, ein paar Takte zum E-Reader zu verlieren.

Eigentlich stand ich den E-Readern kritisch gegenüber und habe mich auf den Standpunkt zurückgezogen, dass ich ganz gerne echtes Papier in den Händen halten möchte und einfach lieber in einem Buch blättere als Knöpfchen zu drücken. Leider kam mir bei dieser Entscheidung meine Nerdigkeit in die Quere und der Drang, sich mit technischem Spielzeug auseinanderzusetzen. Der Mediamarc hat schon seit längerem einen Kindle am Start und auf Arbeit konnte ich mir das Teil mal ein bißchen anschauen. Und die paar Minuten pflanzten das leise Verlangen in meinen Kopf, auch so ein Teil haben zu wollen.

Im Frühjahr diesen Jahres dann war der Kindle auch offiziell in Deutschland verfügbar (vorher konnte man ihn nur über den Umweg USA bestellen, wovon der Endkunde jedoch nicht viel mitbekam). Zeitgleich wurde auch der Kindlestore im Hinblick auf deutsche Titel deutlich aufgestockt. Das war dann der Zeitpunkt, an dem ich zugeschlagen habe.

Display

Der Kindle ist mit einem so genannten E-Ink-Display (6 Zoll groß) ausgestattet, welches durch seine hervorragende Lesbarkeit besticht. Die Unterschiede zu einer bedruckten Buchseite sind wirklich sehr gering, was vor allem dazu führt, dass man relativ ermüdungsfrei lesen kann. Zudem ist das Display komplett matt und anders als bei vielen Tablets kein Schminkspiegelersatz. Dadurch kann man das Kindle auch im Freien bei Sonnenschein verwenden, ohne ständig mit den Reflexionen des  Displays kämpfen zu müssen. Ich hatte das Kindle auch in unserem Griechenland-Urlaub dabei und auch in der mediterranen Sonne konnte man ganz entspannt lesen. Und man sieht nicht ständig seine schmierigen Fingerabdrücke. 😉 Das Kindle-Display hat keine Hintergrundbeleuchtung, wodurch man (anders als bei Tablets) eine externe Lichtquelle benötigt.

Haptik

Hier war ich am Anfang noch sehr skeptisch, doch schnell haben sich meine Zweifel verflüchtigt. Das Kindle liegt extrem gut in der Hand und lässt sich vor allem auch mit einer Hand gut halten (der Daumen blättert dabei die Seiten um). Dabei habe ich nicht mal besonders große Hände. Das ist wirklich eine schicke Sache, dass man quasi einhändig lesen und umblättern kann.

Die Rückseite des Kindle ist leicht gummiert und sorgt so für extra Griffigkeit in der Hand. Seitlich am Display sind auf beiden Seiten jeweils Knöpfe fürs Vor- und Zurückblättern, somit ist das Gerät auch für Linkshänder sehr gut geeignet.

Netzwerk und Verbindung

Ich habe mich für ein WiFi-Kindle entschieden und auf die 3G-Option verzichtet. Wenn man Inhalte bei Amazon kauft, dann werden einem die Dateien automatisch auf den Kindle geschickt, sofern dieser sich mit einem WLAN verbunden hat. Im besten Fall vergehen gerade einmal ein paar Minuten zwischen dem Kauf und dem Abruf im Kindle.

Man kann den Kindle auch mit dem beigefügten USB-Kabel mit den entsprechenden Inhalten versorgen und auch aufladen (der Akku hält schier ewig – maximal ein Mal im Monat lade ich auf).

Inhalte

Nun sind die vorgenannten Punkte natürlich nur ein Aspekt des Ganzen, denn wichtig sind ja vor allem die Inhalte, die ich mir auf dem Gerät anschauen kann. Das Einfallstor ins Paradies der E-Books ist der Kindle-Shop von Amazon. Zugang erhält man hier entweder ganz klassisch über das Internet, wo die gekauften Inhalte dann per „Whispernet“ auf den Kindle geschickt werden oder man nutzt das Kindle, um sich im Store umzuschauen.

Ein Vorteil der Ebooks ist die Tatsache, dass von jedem Buch eine Leseprobe existiert mit deren Hilfe man sich schon einen ersten Eindruck vom Buch verschaffen kann. Im Griechenland-Urlaub habe ich so ein Buch erst angelesen und mir über den kostenlosen WLAN-Zugang im Hotel dann das Gesamtwerk runtergeladen.

Generell ist es so, dass das deutschsprachige Angebot im Kindle-Shop noch deutlich ausbaufähig ist. Die meisten Neuerscheinungen im Bereich Belletristik erscheinen auch zeitgleich als Ebook, aber bei Nischenprodukten und älteren Büchern guckt man noch ein bisschen in die Röhre. Zudem ist die Preisgestaltung noch nicht optimal, was ja auch der Buchpreisbindung geschuldet ist, aber oftmals sind Ebook-Neuerscheinungen gerade einmal ein bis vier Euro günstiger als die gedruckte Version. Bei Taschenbüchern sind die Preise oftmals identisch.

Bei englischsprachigen Büchern kann man teils krasse Schnäppchen machen. Auch relativ neue Bücher sind dort günstig zu haben. Im Rahmen einer Aktion habe ich das gerade erst in Deutschland erschienene „Super Sad Love Story“ für gerade einmal einen Euro erstanden.

Neben Büchern gibt es auch andere Inhalte für den Kindle. So habe ich ein paar Ausgaben der Zeit mal gelesen und das ist ganz gut umgesetzt auf Amazons kleinem Lesegerät. Einzig Bilder und Grafiken fehlen. Dazu kommt, dass Zwischenüberschriften noch nicht als solche hervorgehoben werden und Infoboxen auch nicht als solche erkennbar sind. Was ich noch gelesen habe, ist das englische Fußball-Magazin „The Blizzard“, was mir wirklich sehr gut gefallen hat, nicht nur inhaltlich sondern auch von der Umsetzung auf dem Kindle.

Daneben kann man auch andere Formate wie bspw. PDF-Dateien auf den Kindle ziehen und lesen. Dabei gibt es, abhängig von der Formatierung der Datei, erhebliche Unterschiede in der Darstellung. Mithilfe von entsprechenden Browser-Plugins („Send it to Kindle“ für Chrome und „Kindle It“ für Firefox) kann man auch Artikel aus dem Web zum späteren Lesen auf den Kindle senden. Nice.

Fazit: Meine Skepsis gegenüber dem Kindle hat sich schnell verflüchtigt und mittlerweile nutze ich ihn sehr gerne, da das Gerät viel Komfort bietet und das Schleppen von Büchern entfällt. Mittlerweile hat Amazon ja noch ein neues Einsteigermodell gebracht und die Preise für die übrigen Geräte gesenkt. Kann ich nur wärmstens empfehlen.

Wired is tired

Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass demnächst eine deutschsprachige Ausgabe des WIRED-Magazins erscheinen sollte. Erster Wermutstropfen war hierbei, dass die WIRED als Gimmick zur GQ erhältlich sein sollte. Man musste also das Fachblatt für angewandte Oberflächlichkeit erwerben, um an die WIRED zu gelangen. So weit, so schlecht. In meinem Urlaub in Griechenland dann entdeckte ich das GQ/WIRED-Bundle und griff zu. Die GQ dann am Strand innerhalb von knapp 20 Minuten durchgeblättert, außer ein paar wohlgeformten Brüsten war da nix von Belang.

Das eigentliche Objekt der Begierde dann in den Händen war ich schon relativ gespannt, was mich erwarten würde. Und ich wurde enttäuscht. Ich habe keinen Artikel mit „Aha“-Effekt gelesen und mich auf Twitter schon über die WIRED als GQ für Technikfreaks ausgelassen: oberflächlich, dumm und unkritisch.

Alleine schon die auf dem Titel angeteaserten Themen sind erbärmlich umgesetzt. „Deutschland 2022 – Nach der Energiewende“ ist am Ende nur eine Fotostrecke mit Aufnahmen aus Kraftwerken und deren Kontrollzentren. Ich hatte hier eigentlich einen Ausblick auf die Zeit nach dem Atomausstieg erwartet oder eine Pro/Contra-Diskussion. Weiter geht es mit dem so genannten Darknet, also den richtig üblen Ecken im Internet, wo man nicht ohne Weiteres hinkommt und der einem den Kauf von Drogen, Waffen und Co. ermöglicht. Also genau die Form von Internet vor dem uns die Politik warnt. Eine ganze Seite Text wird dem Thema gewidmet, am Ende wissen wir, dass es solche Sachen gibt und die WIRED-Redaktion hat zudem total investigativ eine Ladung Drogen geordert.

Anschließend widmet man sich Badoo, dem „Sexual Network“, ein Netzwerk, welches nur dazu dient, sexuelle Kontakte anzubahnen. Gut, anders kann man die Leser der GQ wohl nicht dazu bewegen, einen Blick in die WIRED zu werfen. Da muss man schon auf dem Titel ganz laut „FICKEN“ schreiben. Zentrales Thema der Ausgabe ist „Deutschland den Geeks“. Chefredakteur Thomas Knüwer lobt die Innovationskraft der Geeks und betreibt die schon übliche Schelte der so genannten „German Angst“, mit der die Eliten sich gegen Fortschritt und Innovation stemmen. Am Ende leidet die Wirtschaft, das ist das zentrale Argument von Knüwers Elaborat, welches dann in die Vorstellung führender deutscher Startups und Denker übergeht. Da wird Sandro Gaycken dann auch mal als nicht dem Typ „Lieblings-Schwiegersohn“ entsprechend vorgestellt und mit seiner Harley abgelichtet. Achja, zum Thema „Cyberwar“ darf er auch mal was sagen. Oder ein paar nach London abgewanderte Gründer schmeißen sich top-gestylt vor die Kamera.

Darüber hinaus noch ein paar Kolumnen (u.a. from Notorious Lobo), 6 Seiten als redaktionelle Inhalte getarnte Werbung sowie noch seitenweise Gadgetvorstellungen. Ach und der Technik-Evangelist Jeff Jarvis darf auch mal was sagen. Glücklicherweise bekommt er keinen Platz für seinen ewig gleichen Sermon („Die Deutschen machen sich wegen der Privatsphäre ins Hemd, aber zeigen sich in der Sauna gegenseitig die Genitalien.“), sondern für einen Vergleich zwischen modernen Startups und Johannes Gutenberg.

Ich werde mal ein paar Ausgaben abwarten, sofern die Zeitschrift lange genug am Markt bleibt. Leider ist diese Erstausgabe in meinen Augen völlig uninteressant. Es gibt im Bereich Internet/Technologie viele interessante Themen, die man vor allem auch mal kritisch beleuchten könnte, d.h. Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen, Pro und Contra-Positionen darstellen. Die Energiewende wäre da ein Ansatzpunkt gewesen, die Biotechnologie oder auch Entwicklungen im Internet (Privatsphäre/Appkultur/usw.). Vielleicht werden diese Themen in den nächsten Ausgaben auf eine interessante Art aufgegriffen. Ansonsten ist die WIRED leider uninteressant.

Ein Extraleben

Vor ein paar Tagen habe ich das Buch „Extraleben“ von Constantin Gillies beendet. Ein sehr amüsantes Buch, welches ich regelrecht verschlungen habe. Die beiden Protagonisten sind Nick und der Ich-Erzähler, von dem man nur den Nickname „Kee“ im Laufe des Buchs erfährt. Die beiden arbeiten als Redaktions-Assistenten bei einer großen Zeitschrift und dürfen dort das „Mädchen für alles“ spielen. Beide haben sich in ihrem Zustand eingerichtet und treiben eher planlos durchs Leben, während alle anderen der großen Karriere nachlaufen.

Die beiden sind seit der Schule befreundet und schwelgen in nostalgischen Erinnerungen an vergangene Videospielzeiten. C64 und Atari 2600, das waren noch richtige Konsolen und an Klassiker wie „Space Invaders“ oder „Asteroids“ kommen heutige Spiele nicht ran. Die beiden sind Retrofreaks und Nick hat eine beeindruckende Sammlung alter Hardware. Als die beiden eine Runde am C64 zocken wollen, stoßen sie auf eine Nachricht, die mit dem Spiel nix zu tun hat. Die beiden wollen wissen, was es damit auf sich hat und einige Monate später nutzen die beiden ihren Urlaub, um in den USA die Spur weiterzuverfolgen. Dabei entwickelt sich eine Schnitzeljagd quer durch die Staaten.

Das Buch habe richtig gerne gelesen, vor allem weil die beiden solche Retronerds sind und einen wieder mit in die Zeit von Datasette und Co. mitnehmen. Das Ganze ist eine Art Roadmovie in Buchform und im Laufe des Buches wird klar, dass sich die Dinge für die beiden Hauptfiguren langsam ändern. Damals war eben doch nicht alles besser und bei genauer Betrachtung ist Pac-Man vielleicht noch für 15 Minuten Fun gut, aber dann ist auch vorbei. Aber da will ich jetzt auch nicht vorgreifen. Auf jeden Fall werde ich mir demnächst mal den Nachfolger „Der Bug“ holen.

Metro 2033: Buch vs. Spiel

In den letzten Tagen konnte ich mich glücklich schätzen, die gleiche Geschichte in zwei unterschiedlichen Medien erleben zu dürfen. Schon seit knapp 2 Monaten habe ich mich durch das Buch „Metro 2033“ gearbeitet. Vor einem Monat kam auch das gleichnamige Spiel für die Xbox 360 noch hinzu. Das letzte Mal hatte ich ein ähnliches Szenario bei der Herr der Ringe-Trilogie, wo ich parallel zum ersten Film die Bücher las. Ja, totally Crossmedia und so. 😀

Wie schon aus dem Titel zu ersehen, spielt Metro 2033 in eben jenem Jahr 2033. Die Menschheit hat sich mehr als 20 Jahre vorher mit Atomwaffen die Köpfe eingeschlagen und die wenigen Überlebenden der russischen Metropole Moskau haben sich in die Tunnel und Bahnhöfe der Metro geflüchtet, wo sie ihr Dasein fristen. Die Oberfläche der Stadt ist aufgrund der hohen radioaktiven Strahlung unbewohnbar und nur wenige trauen sich überhaupt in die zerstörte Stadt, um nach verwertbaren Gegenständen zu suchen. Die atomare Apokalypse hat dazu geführt, dass zahlreiche Tier- und Pflanzenarten mutiert sind und diese neuen Lebensformen sind nicht unbedingt freundlich. Interessant an dem Setting ist die Tatsache, dass sich einzelne Stationen der Metro zu Allianzen politischer und/oder religiöser Natur zusammengeschlossen haben. Es gibt Kommunisten, das Vierte Reich, die Hanse oder auch die so genannte Polis. Alles Fraktionen mit eigenen Interessen und Terrritorien. In der Metro lebt auch Artjom, ein junger Mann, dessen Station von den so genannten „Schwarzen“ heimgesucht wird, ein Feind, der die ganze Metro bedroht. Artjom wird auf eine alles entscheidende Mission geschickt und von seiner Reise handeln Buch und Spiel.

Das Spiel fällt leider im direkten Vergleich der beiden Medien deutlich ab. Es wird irgendwie nicht so deutlich, warum man jetzt diese Reise durch die Metro unternehmen soll und viele Zusammenhänge bleiben unklar. Zudem fand ich die Entscheidung, aus der Geschichte einen Ego-Shooter zu machen nicht so gut. Gerade das Setting mit den vielen Fraktionen, denen man während der Reise durch die Metro begegnet, wäre aus meiner Sicht viel besser für ein Rollenspiel geeignet. Stattdessen läuft man durch dunkle Tunnel und ballert ab und an auf Horden an Mutanten. Das ist dann nach 2-3 Stunden Spielzeit auch höchst langweilig. Angeblich soll „Metro 2033“ in Richtung Survival Horror (à la Resident Evil) gehen, aber gruseln tut man sich gar nicht. Einzig die immer wieder knapp bemessene Munition sorgt für ein bißchen schwitzige Hände. Mich hat zudem belustigt, dass man ständig im Spiel Hinweise auf das Buch findet. Mal liegen Ausgaben von „Metro 2033“ in den Unterkünften der Menschen oder es finden sich Poster, die dezent auf das Buch hinweisen.

Ich habe das Spiel nicht durchgespielt, da es mich nicht wirklich in seinen Bann ziehen konnte. Das Buch habe hingegen beendet und fand es sehr gut. Der Autor wird manchmal ein bißchen ausufernd in seinen Beschreibungen der Umgebung, aber das ist nicht wirklich schlimm. Das Setting wird hier wirklich schön ausgereizt und man wird auch viel mehr in die Handlung hineingezogen. Jetzt ist nur die Frage, ob ich mir auch das Buch „Metro 2034“ gebe, denn bei Amazon kommt die Fortsetzung nicht so gut weg. Manchmal macht das gute alte Lesen doch mehr Spaß.

Die Leiden des jungen D.

Gestern abend habe ich die Biografie „Zurück ins Leben“ von Sebastian Deisler zuende gelesen. Ich war nie ein großer Fan von ihm, wahrscheinlich weil er halt nie in grün-weiß gespielt hat. Zum anderen hat mich das hystersiche Geschrei um seine Person immer abgeschreckt. Allein schon die „Basti Fantasti“-Nummer, die anfing nachdem er sein erstes Tor für Gladbach schoss, das Ergebnis eines unwiderstehlichen Solos über den halben Platz. Dann die ständige geheuchelte Anteilnahme bei seinen immer wiederkehrenden Verletzungen und als 2003 herauskam, dass er an Depressionen leidet.

Das Buch gibt einen guten Einblick in die kurze Karriere Deislers und zeigt vor allem, wie sich Deisler innen drin gefühlt hat. Am 6. März 1999 schießt Deisler das oben genannte Tor und wird in diesem Moment zum Hoffnungsträger einer ganzen Nation. 1998 war Deutschland bei der WM im Viertelfinale an Kroatien gescheitert, Vogts hatte kurze Zeit später abgedankt und Ribbeck trainierte die Nationalmannschaft. Auf Deisler vereinigten sich nun also all die Hoffnungen der Fans. Im Sommer 99 wechselt er zur Hertha nach Berlin, wo er der alten Dame neuen Glanz verleihen soll. Deisler selbst hofft, in der Anonymität der Großstadt untertauchen zu können, doch diese Hoffnungen erfüllen sich nicht. Die Fans, die Medien und die Vereinsverantwortlichen sehen in ihm den Heilsbringer, der den Verein und die Nationalmannschaft in ein goldenes Zeitalter führen wird.

Dieser Druck begleitet Deisler seine ganze Karriere hindurch. Bis heute hat es ein einzelner Spieler in Deutschland nie wieder geschafft, eine solche Hysterie auszulösen. Deisler selbst ist unter anderem auch an diesem Druck irgendwann zerbrochen. Ihm ging es nur darum, Fußball zu spielen. Das ganze Drumherum mit Medien, Werbepartnern und vielem mehr hat ihn nie interessiert, sondern nur angewidert. Natürlich kommen bei Depressiven mehr Faktoren zusammen, so hat Deisler auch eine gewisse Anlage zur Depression und sich selbst stark unter Druck gesetzt. Erschwerend kam seine Verletzungsanfälligkeit hinzu, alleine am rechten Knie musste er mehrfach operiert werden.

Unter viel Geschrei wird im Herbst 2001 bekannt, dass Deisler schon für den Sommer 2002 mit den Bayern einig geworden ist. Er gilt fortan in Berlin als Verräter. Sein Vereinsmanager Dieter Hoeneß hatte er schon im Sommer 2001 darüber informiert, dieser aber hatte Deisler das Versprechen abgerungen, noch bis zum Winter dichtzuhalten. Eine Indiskretion eines Bankangestellten sorgte dafür, dass alles an die Öffentlichkeit kam. Statt Deisler in Schutz zu nehmen und die Wahrheit zu erzählen, lässt der Verein zu, dass Deisler öffentlich gegrillt wird.

Auch bei den Bayern kommt Deisler nicht zur Ruhe. Statt einen weiteren Schritt nach vorne zu machen, kann er sich nie ganz durchsetzen, Verletzungen und seine 2003 bekannt gewordene Depression sorgen dafür, dass er zunehmend an Ansehen innerhalb des Vereins verliert und nach Jahren des Leidens gibt er Anfang 2007 seinen Abschied vom Profifußball bekannt.

Deislers Geschichte ist tragisch, so wie die Geschichte vieler anderer Depressiver. Deisler war mit unglaublich viel Talent gesegnet, doch Spieler seiner Klasse können nicht einfach nur kicken. Sie werden zu einem öffentlichen Gut, von dem jeder ein Stück abhaben möchte. Schon nach Deislers Abtritt gab es eine Diskussion über die Zustände im Profifußball und den Umgang miteinander. Diese Diskussion ist nach dem Suizid von Robert Enke erneut hochgekocht. Doch ändern wird sich auch nach diesem tragischen Ereignis nichts. Alleine schon die Wahl von Felix Magath zum Trainer des Jahres zeigt, dass man nichts gelernt hat oder lernen will. Fachlich mag man Magath nix ankreiden können, aber letztlich beruht ein nicht unerheblicher Teil seines Erfolgs auf der Verbreitung von Angst und dem Einfordern absoluten Gehorsams. Er ist sich auch nicht zu schade, einen Spieler wie Albert Streit den Fans und der Presse öffentlich zum Fraß vorzuwerfen oder Spieler, die keine Perspektive mehr haben, eiskalt abzuservieren und am langen Arm verhungern zu lassen. Aber gut, Erfolg geht dann offensichtlich über alles und das „Wie?“ hinterfragt dann auch keiner.

Deislers Buch gibt einen guten Einblick in das Innenleben eines Gescheiterten und zeigt, wie man auch am Glamour der Fußballwelt zerbrechen kann und nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen ist. Ich kann das Buch nur empfehlen, weil es mal was anderes ist als die üblichen Sportler-Biografien und auch weil die Geschichte bei Deisler noch ein glimpfliches Ende genommen hat.

Neue Inspirationen in der Küche

Momentan kann man sich ja vor lauter Kochsendungen und Co. gar nicht mehr retten. Kochen ist einfach en vogue und es wird auch immer schwerer, etwas wirklich Neues im kulinarischen Dschungel zu finden. Doch ihr habt Glück: Dank der Freunde von Geekologie.com wurde ich auf das „Sperma-Kochbuch“ aufmerksam. Hier kann man den Schmöker auch gleich käuflich erwerben und sogar durch die ersten Rezepte blättern.

Ich übersetze mal die Produktbeschriebung aus dem Englischen: „Sperma ist nicht nur nahrhaft, sondern hat auch eine tolle Konsistenz und wundervolle Kocheigenschaften. Wie bei edlem Wein und Käse ist der Geschmack vielschichtig und dynamisch. Sperma lässt sich kostengünstig produzieren und ist in den meisten, wenn nicht sogar allen, Haushalten und Restaurants verfügbar. Trotz dieser tollen Eigenschaften wird Sperma als Nahrungsmittel vernachlässigt. Dieses Buch wird dies hoffentlich ändern. Nachdem man sein anfängliches Zögern überwunden hat, wird man überrascht sein, wie toll sich Sperma in der Küche macht. Sperma ist eine aufregende Zutat, die jedem zubereiteten Gericht das gewisse Etwas geben kann. Wenn sie ein leidenschaftlicher Koch sind und auch mit neuen Zutaten experimentieren wollen, werden sie dieses Buch lieben.“

In diesem Sinne: Mahlzeit!